Der belgische Mathematiker Adolphe Quetelet (1796-1874) gilt als der Erfinder des BMI. Der Hintergrund für diese Erfindung war sein Traum, eine Formel des „Normalen“ zu entwickeln – Fett, Unter- oder Übergewicht spielten für ihn keine Rolle.

Der BMI – Wie er entstanden ist, was er aussagt und warum wir ihn nicht allzu ernst nehmen sollten

 

Der belgische Mathematiker Adolphe Quetelet (1796-1874) gilt als der Erfinder des BMI. Der Hintergrund für diese Erfindung war sein Traum, eine Formel des „Normalen“ zu entwickeln – Fett, Unter- oder Übergewicht spielten für ihn keine Rolle. Viel mehr ging es ihm darum, den Menschen in eine Art Gauss’sche Normalverteilung zu zwängen – mit der Entwicklung der Berechnung des BMI gelang ihm dies. Die Formel beschreibt die Standardproportion des menschlichen Körpers, nämlich das Verhältnis von Gewicht und Größe eines erwachsenen Menschen.

 

Vergessen und Wiederentdeckt

Bald geriet diese Formel jedoch wieder in Vergessenheit. Die objektiven Standards und Normen des Körpers veränderten sich stark. So galten etwa im 19. Jahrhundert beleibte Menschen als gesund. Im 20. Jahrhundert schließlich wurde Quelets Formel vom amerikanischen Physiologen Ancel Keys wiederentdeckt. Keys war auf der Suche nach einem einfach zu erstellenden Gradmesser für Fettsucht, welche sich zu dieser Zeit schon in Amerika abzeichnete. Mit der Formel fand er genau das, was er suchte. Er gab ihr den Namen Body-Mass-Index, kurz BMI. Sie wurde zum Maßstab für Übergewicht schlechthin.

Keys weigerte sich damals jedoch die Formel bei einzelnen Patienten anzuwenden. Seiner Meinung nach war sie bloß für eine Untersuchung von großen Gruppen sinnvoll, da wichtige Dinge wie Geschlecht, Alter, Körperbau usw. der Einzelperson ignoriert werden. Doch Keys Worte waren vergebens. Der BMI setzte sich durch und spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine große Rolle. Teilweise eine zu große Rolle.

 

 

Probleme

Kommen wir zum ersten Problem: Die Standardproportionen. Ähnlich wie bei der Sprache – es gibt keinen einzigen Menschen auf der Welt, der Standarddeutsch spricht, das existiert lediglich im Duden – gibt es keinen einzigen Standardmenschen auf der Welt. Jeder Mensch ist individuell. Skelett-, Muskulatur- und Knochenstruktur unterscheiden sich oft stark von Person zu Person. Darum kann diese Formel bloß ein Anhaltspunkt sein, der oft sogar wenig aussagekräftig ist.

Das nächste Problem ist, dass sich Menschen heutzutage zu sehr mit anderen vergleichen. Das kann zu Unglücklichsein bis hin zu echten psychischen Problemen führen. Vor allem (aber nicht nur) junge Mädchen messen ihren Selbstwert am BMI – desto niedriger desto besser denken viele. Denn während des Überschreitens des oberen Werts für so ziemlich jeden eindeutig problematisch ist, erweist sich für viele das Unterschreiten des unteren Werts als trauriges Ziel. Das ist nicht weniger ungesund und kann bei zu niedrigem Gewicht bis in den Tod führen.

 

 

Nur Zahlen

Im Endeffekt sind BMI und Kilogramm nur Zahlen. Wer ohne psychischen Druck mit ihnen umgehen kann, findet in ihnen einen Anhaltspunkt. Doch letzten Endes wird keine Zahl der Welt aussagen können, wie glücklich wir sind, wie wohl wir uns fühlen, welche Freundschaften und Beziehungen wir haben. Der beste Anhaltpunkt ist immer man selbst. Ziel ist es, sorgsam mit seinem Körper umzugehen, ihn beim Sport gut zu bewegen, gesund zu ernähren und ihn vor allem lieben zu können. Genauso wie er ist, mit all seinen Facetten und Einzigartigkeiten. Denn genau das ist das Schöne an uns Menschen, dass wir alle unterschiedlich sind und wir keiner Norm entsprechen. Und im Lafyfit wird jeder Frau genauso angenommen und geschätzt wie sie ist. Das ist uns ein großes Anliegen